Der neue SIA-Präsident heisst Peter Dransfeld

Juho Nyberg
27. April 2021
Foto: Reto Schlatter

Der Architekt aus dem Thurgau wurde einstimmig zum Nachfolger von Stefan Cadosch gewählt. Er übernimmt das Amt in schwierigen, aber auch spannenden Zeiten.

Ein ganzes Jahrzehnt amtete Stefan Cadosch als Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA). Anlässlich seiner Verabschiedung an der Delegiertenversammlung wurde ihm für seinen grossen Einsatz und seine ausserordentlichen Verdienste die SIA-Ehrenmitgliedschaft verliehen. Gleichzeitig wurde diese Ehre auch dem Bauingenieur Heinrich Figi zuteil. Den meisten Architekt*innen wohl weniger bekannt als der charismatische Ex-Präsident, setzte sich Figi leise, aber umso unermüdlicher für die Schweizer Ingenieurbaukunst ein.

In die Fussstapfen von Cadosch tritt Peter Dransfeld. Mit dieser Wahl leitet weiterhin ein Architekt den 16 000 Mitglieder starken Verein. Er ist Inhaber des Büros Dransfeldarchitekten in Ermatingen und bringt wertvolle politische Erfahrung mit: Dransfeld ist Fraktionspräsident der Grünen im Grossen Rat des Kantons Thurgau. Dieses Amt wird er, wie er im grossen Antrittsinterview mit Espazium verriet, abgeben, um sich fortan voll auf seine neue Aufgabe fokussieren zu können. Helfen wird Dransfeld in seiner neuen Funktion, die viel diplomatisches Geschick erfordert, auch sein sehr gutes Französisch – er verbrachte Teile seiner Jugend in Frankreich. Auch mit dem SIA und dessen komplexen Strukturen ist Dransfeld gut vertraut: Er war zuletzt Leiter der Berufsgruppe Architektur des Vereins. Zuvor engagierte er sich bereits in der Begleitgruppe Wettbewerbe der Thurgauer Sektion.

Den SIA sieht Dransfeld auf Kurs. Er möchte auf die «hervorragende Arbeit» seines Vorgängers Stefan Cadosch aufbauen. Tatsächlich übernimmt er eine wichtige und zugleich überaus knifflige Aufgabe. Der Erwartungsdruck dürfte spätestens nach der Einarbeitungsphase gross sein. Die Baubranche wandelt sich derzeit stark und für ihre Verhältnisse schnell. Klimawandel, Wirtschaftskrise, Digitalisierung, Honorare, Wettbewerbs- und Vergabewesen, Normierung, aber auch die Debatte um die Verdichtung und die Pflege der Schweizer Baukultur – viele, auf teils komplexe Weise miteinander verknüpfte Themenfelder werden den neuen SIA-Präsidenten beschäftigen und nach seiner ganzen Aufmerksamkeit und Energie verlangen. Hinzu kommt der Wunsch, dass er die voluminösen Strukturen des SIA zur Zufriedenheit aller verschlanken kann. Erhoffen darf man sich von dem Grünen-Politiker, der sich schon seit geraumer Zeit intensiv mit erneuerbaren Energien beschäftigt und für seine nachhaltigen Lösungen bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, ein besonders starkes Engagement für eine zukunftsfähige Baukultur. 

Wir gratulieren Peter Dransfeld herzlich und sind zugleich auf seine Arbeit gespannt. 

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