Verdiente Auszeichnung: «Goldener Schemel» für Mels

Manuel Pestalozzi
12. Januar 2022
Der neu gestaltete Dorfplatz von Mels wird vom Kultur- und Kongresshaus Verrucano und der Rathauserweiterung (rechts) eingefasst. (Foto © Heimatschutz SG / AI)

Der Heimatschutz von St. Gallen und Appenzell Innerrhoden würdigt die Umgestaltung des Dorfplatzes von Mels mit dem neuen Kulturzentrum Verrucano. Das ist eine gute Entscheidung.

Am 8. Januar dieses Jahres übergab Kathrin Hilber, die Präsidentin des Heimschutzes St. Gallen / Appenzell Innerrhoden, dem Melser Gemeindepräsidenten Dr. Guido Fischer den «Goldenen Schemel». Die bemerkenswerte Trophäe wurde von der Künstlerin Katalin Deér gestaltet. Der Heimatschutz ehrt mit ihr seit 2015 Ostschweizer Gemeinden, die baukulturell Grosses geleistet haben und verfahrene Situationen zum Guten wenden konnten.

Der umgestaltete Dorfplatz mit dem Schloss Sargans im Hintergrund (Foto: bienz:photography)
Der Lohn für einen grosses Effort

Mels verdient die Auszeichnung sehr: Die Situation im Zentrum der unweit von Sargans an der Autobahn A3 gelegenen Gemeinde war lange überaus unbefriedigend. Der historische Dorfkern funktionierte – vor allem auch aus baulichen Gründen – nicht mehr als Treffpunkt für die Bevölkerung. Man entschloss sich, die Anlage umzugestalten und ein neues Kulturzentrum, das Verrucano, zu bauen. Nach einem offenen Architekturwettbewerb wurde das Gebäude des Büros raumfindung architekten 2020 fertig. Das Team aus Rapperswil hat auch den neuen Dorfplatz und die viergeschossige Rathauserweiterung gestaltet. Die Transformation, die durch diese Massnahmen erreicht wurde, ist fantastisch: Die Bevölkerung nimmt den neuen Platz gut an, an schönen Sommertagen toben Kinder am neuen Wasserspiel, Menschen sitzen fröhlich vor Restaurants und Cafés und es sind Marktstände aufgebaut. Auch das Verrucano wird rege genutzt (sofern freilich in Pandemiezeiten überhaupt gestattet) und profitiert davon, dass die Architekten es in enger Zusammenarbeit mit den Melser Vereinen und Gemeindevertretern entwickelt haben. Die neuen Bauten wirken bereits identitätsstiftend.

Ein Spaziergang war der Weg zu diesem schönen Erfolg keineswegs. Über mehr als ein Jahrzehnt mussten alle am Projekt Beteiligten motiviert bleiben, die Unterstützung der Bevölkerung musste immer wieder gesichert und der Konsens innerhalb der Gemeinde bewahrt werden. Gerade auch politisch eine beeindruckende Leistung. Das Projekt beweist eindrücklich, dass die Ostschweiz baukulturell viel zu bieten hat, auch wenn vielleicht nicht immer alles zum Besten steht.

Blick ins Foyer des Kulturzentrums Verrucano (Foto: Ladina Bischof)
Foto: Ladina Bischof
Ehre gebührt allen Beteiligten

Beim Heimatschutz sieht man Mels als Beispiel dafür an, wie eine Dorfgemeinschaft mit ausserordentlicher planerischer und baulicher Qualität neue Stärken schaffen kann. Die Verleihung des Goldenen Schemels ist deshalb als Ehrung aller Beteiligten zu verstehen: der Gemeinde Mels, ihrer Raumplanung und Kulturpolitik, aber auch der Architekten, aller Ausführenden, der Handwerkerinnen und Handwerkern sowie natürlich der Bevölkerung. Gemeint sind ferner auch die fast hundert Vereine und Kulturschaffenden, die das Verrucano mit Leben füllen.

Gemeindepräsident Dr. Guido Fischer nahm die Kleinbronze von Kathrin Hilber, Präsidentin des Heimatschutzes St. Gallen / Appenzell Innerrhoden, entgegen. (Foto © Heimatschutz SG / AI)

Das Kulturzentrum Verrucano hat übrigens die Chance auf mindestens eine weitere Auszeichnung: Gemeinsam mit 48 anderen Schweizer Bauten ist es aktuell bei unserer Leserwahl zum Bau des Jahres 2021 im Rennen.


Architekt Beat Loosli sprach mit uns im Rahmen der Rubrik Bau der Woche über die Umgestaltung des Melser Dorfkerns und das Kulturzentrum Verrucano.

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